Freitag, 19. September 2008

Stubenreinheit: So wird der Welpe stubenrein

Ähnlich wie ein Baby das noch nicht „trocken“ ist, muss auch ein Hund die Stubenreinheit erst erlernen. Stubenreinheit ist nicht angeboren, ein Welpe braucht Zeit, um zu verstehen, was von ihm verlangt wird. Und er muss seinen Schließmuskel zunächst trainieren, bevor er ihn kontrollieren und damit auch stubenrein werden kann. In der Regel dauert die Erziehung zur Stubenreinheit Tage bis Wochen, das ist von Hund zu Hund unterschiedlich. Geduld und Lob zahlen sich aus - damit lernt der Hund am schnellsten, was von ihm gewünscht wird. Strafen sind dagegen in jedem Fall zu vermeiden! Sie verschlimmern Probleme bei der Erziehung zur Stubenreinheit nur.

  • Wichtigste Grundregel: Erwünschte Verhaltensweisen werden durch Belohnung verstärkt! Loben Sie den Welpen also, wenn er "es" an der richtigen Stelle gemacht hat.
  • Bringen Sie den Welpen nach dem Fressen, Schlafen, Spielen, oder nach längeren Autofahrten usw. nach draußen an einen ruhigen Ort, möglichst auf eine Wiese. Der Untergrund sollte weich sein. Bleiben Sie bei ihm und loben Sie ihn mit freundlicher Stimme, nachdem er sein "Geschäft" erledigt hat. (Bitte nicht loben während er sein "Geschäft" verrichtet, denn sonst kann es sein, dass er es unterbricht, weil er von Ihnen abgelenkt wird.)
  • Beobachten Sie Ihren Hund bzw. Welpen aufmerksam! Wenn er unruhig wird, oder sich im Kreis dreht, gehen Sie mit ihm nach draußen.
  • Anfangs müssen Welpen auch nachts mal raus - nicht selten auch mehrmals in der Nacht. Stellen Sie sein Körbchen direkt neben Ihr Bett, um erste Anzeichen von Unruhe sofort bemerken und den Welpen nach draußen bringen zu können.
  • Unterlassen Sie Strafen jeder Art. Nackenschütteln, mit der Nase in den Urin oder Kot stupsen oder ähnliche drastische und obendrein falsche Sanktionen sind unsinnig und werden vom Welpen nicht verstanden! Dadurch lernt der Welpe nicht, stubenrein zu werden. Er lernt dadurch höchstens Angst vor Ihnen zu haben, was die weiter Ausbildung nur schwieriger macht.
  • Nachts oder in Ihrer Abwesenheit sollten Sie den Welpen nicht in eine Hundebox sperren. Der Hund gerät darin in Not und Stress, weil Hunde von Natur aus eine Abneigung dagegen haben ihr eigenes "Nest" zu beschmutzen.
  • Regeln von früher sind überholt. Strafen Sie den Hund auch dann nicht, wenn Sie ihn auf "frischer Tat" ertappen. Er könnte die Strafe mit Ihnen statt mit dem eigentlichen Ereignis verknüpfen. Dann würde er sich nur noch heimlich, nicht mehr in Ihrer Anwesenheit lösen.
  • Ein kurzes ruhiges "Nein" reicht, um die unerwünschte Handlung in dem Moment zu unterbrechen, in dem er sich gerade im Wohnungsbereich lösen will. Heben Sie ihn hoch und bringen Sie ihn an einen geeigneten Ort, an dem er sein Geschäft verrichten kann.
  • Achten Sie auch genau darauf, ob Ihr Hund Anzeichen dafür zeigt, dass er raus möchte. Steht er vor der Tür? Schaut er öfter zur Ausgangs- oder Terrassentür? Ist er unruhig? Fiept er? Dies alles können seine Versuche sein, sich Ihnen mitzuteilen, dass er mal "muss". Nicht jeder Hund teilt sich auf die gleiche Weise mit. Je besser Sie lernen zu erkennen wenn er raus muss und entsprechend reagieren, desto seltener passieren "Missgeschicke".
  • Sollte es während Ihrer Abwesenheit doch einmal zu einem „Missgeschick“ kommen, ignorieren Sie es bitte und beseitigen es kommentarlos. Nichts sagen, nicht schimpfen, nicht genervt schauen, nicht strafen! Einfach kommentarlos beseitigen.
  • Verwenden Sie keinen Essigreiniger zum Putzen betroffener Stellen. Der Essiggeruch regt den Hund zum Urinieren an.
  • Manche Hundebücher empfehlen noch den Einsatz von Zeitungspapier, auf das der Hund anfangs im Haus urinieren oder koten soll. Dann soll er wieder Schritt für Schritt davon entwöhnt werden, indem die Zeitung immer kleiner gefaltet wird und schließlich ganz verschwindet. Hierbei besteht aber die Gefahr einer Fehlverknüpfung - der Hund lernt, sich im Wohnungsbereich (!) auf Zeitungspapier zu lösen, nicht aber auf anderen Untergründen wie zum Beispiel einer Wiese und vor allem draußen, wo er sich ja eigentlich lösen sollte. Daher würden wir diese Methode nicht empfehlen.
  • Manche Hundebücher empfehlen auch Kommandowörter zum Urinieren oder Koten einzuüben. Das ist ebenfalls unsinnig und teilweise sogar gefährlich. Wenn es sich um einen sehr gehorsamen Hund handelt, hält er so lange ein, bis Sie das erlösende Wort sprechen. Ein so kontrollierendes Verhalten kann, gerade beim Welpen oder älteren Hund, enormen Stress auslösen und gesundheitsgefährdend werden. Der Hund soll sein Geschäft nicht auf Kommando verrichten, sondern dann, wenn er das Bedürfnis hat!
Sollte sich trotz Einhaltung dieser Tipps nicht der gewünschte Erfolg einstellen, bedenken Sie, dass auch eine Erkrankung wie zum Beispiel eine Blasenentzündung vorliegen könnte. Stellen Sie in diesem Fall den Hund bitte beim Tierarzt vor.

Falls der Hund schon älter ist oder gesundheitliche Einschränkungen hat, könnte auch eine Harninkontinenz als Ursache für das Problem in Betracht kommen. Besonders ältere Hündinnen, kastrierte Hündinnen und übergewichtige Hunde leiden oft darunter. Auch in diesem Fall muss der Hund natürlich dem Tierarzt vorgestellt werden. Die Harninkontinenz lässt sich aber mit Medikamenten recht gut behandel. Mehr Infos dazu in dieser Infobroschüre von Intervet.

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